Sterilisation bzw. Kastration bei Hunden und Katzen

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Autor: Anne Grasböck ; Berater : Dr. Med. Vet Detlef Apelt

Viele Hunde und Katzenbesitzer stellen die Überlegung an, ob sie ihr Haustier sterilisieren bzw. kastrieren lassen sollen. Welche der beiden Operationsmethoden sollte gewählt werden ?  Wer keinen tierischen Nachwuchs wünscht, sollte sich für eine der beiden Maßnahme entscheiden. Aber welche? Viele Tierhalter denken bei einer Kastration an das männliche Tier und bei einer Sterilisation an das weibliche. Das ist nicht richtig! Denn hierbei handelt es sich um zwei  verschiedene Eingriffe, die zur Unfruchtbarkeit von Hund und Katze führen.


Katration oder Sterilisation - Worin liegt der Unterschied?

Die Kastration: Bei diesem Eingriff  handelt es sich um eine chirurgische Entfernung von Hoden, Gebärmutter  oder Eierstöcken. Damit ist es den Geschlechtszellen nicht mehr möglich, Geschlechtshormone zu bilden.

Ablauf einer Kastration:

Bei den männlichen Tieren werden die Hoden entfernt. Bei den weiblich die Eierstöcke,  und evtl . auch die Gebärmutter.

Die Sterilisation: Bei einer Sterilisation werden die Organe nicht entfernt, nur durchtrennt oder unterbunden. Das heißt, der Samenstrang bzw. die Eileiter werden durchtrennt bzw. abgebunden. Damit bilden die Geschlechtszellen weiterhin Hormone. Das heißt, das Tier kann nach einem solchen Eingriff noch weitere typische Verhaltensmuster zeigen, die auf den Geschlechtstrieb hindeuten. Denn der Fortpflanzungstrieb bleibt bei dem Tier durch die Hormonproduktion erhalten.

Ablauf einer Sterilisation:

Bei männlichen Tieren wird der Hodensack  mit einem kleinen Schnitt geöffnet und die Samenleiter werden durchtrennt. Bei weiblichen Tieren gestaltet sich eine Sterilisation aufwendiger, denn die Bauchdecke muss geöffnet werden, um zu den Eileitern zu gelangen.

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Warum sollte eine Sterilisation bzw. Kastration bei Hund und Katze stattfinden?

Wenn der Besitzer weiß, dass für ihn eine Zucht nicht in Frage kommt und es keine Nachkommen von dem Tier geben soll, ist eine Sterilisation bzw. Kastration zu empfehlen. Denn es ist statistisch nachgewiesen, dass Katze und Hund dadurch ein wesentlich höheres Alter erreichen können, wenn sie einer Sterilisation bzw. Kastration unterzogen wurden.



Wann soll eine Sterilisation bzw. Kastration bei Hund und Katze stattfinden?

Nach Eintritt der Geschlechtsreife

Zeigt sich das Tier das erste Mal rollig, kann bereits ein Eingriff stattfinden. Bei Katzen ist das ab dem 6. bis 10. Lebensmonat. Bei Hunden tritt die Geschlechtsreife zwischen dem 6. und 12. Lebensmonat ein. Dabei gilt zu beachten, dass kleine Hunderassen ihre Geschlechtsreife früher erreichen, als ihre großen Artgenossen. Darum darf nach Größe und Rassen unterschieden werden.

Vor Eintritt der Geschlechtsreife

Hier wird dann von einer frühen Sterilisation bzw. Kastration gesprochen. Es kommt nicht zur Rolligkeit bei dem Tier. Eine Frühkastration wird bei Katzen im Alter von 8 bis 10 Wochen vorgenommen. Hunde müssen dafür 10 bis 15 Wochen alt sein. Werden die Tiere einer Frühkastration unterzogen, ist das Risiko der Harninkontinenz geringer.

Wichtig ist, dass das Tier zum Zeitpunkt des Eingriffes nicht rollig ist, sonst besteht ein erhöhtes Risiko für intra- und postoperative Blutungen.




Gibt es ein Höchstalter für eine Sterilisation bzw. Kastration bei Hund und Katze?

Generell kann eine Sterilisation/Kastration in jedem Alter erfolgen, solange sich  die Tiere bester Gesundheit erfreuen. Es muss sich bei höherem Alter des Tieres jedoch die Frage nach der Notwendigkeit stellen.



Was sind die Vor- und Nachteile einer Kastration bei Hund und Katze?


Die Vorteile einer Kastration gestalten sich umfangreich:

  • Kein tierischer Nachwuchs, der nicht gewollt ist.

  • Die Tiere zeigen sich in ihrem Verhalten ausgeglichener. Sie werden in der Regel zutraulicher und entspannter im Umgang. Aggressives Verhalten wird nur mehr sehr selten aufgezeigt.

  • Die Lebenserwartung steigt an. Denn es ist nachgewiesen, dass kastrierte Tiere eine wesentlich höhere Lebenserwartung aufweisen als nicht kastrierte.

  • Geschlechtsspezifische Krankheiten werden seltener. Gerade bei weiblichen Tieren kann das gut nachvollzogen werden. Denn das Risiko an der Gebärmutter zu erkranken oder Brustkrebs zu bekommen ( jedoch nur wenn die Kastration vor der ersten Läufigkeit oder zwischen der ersten und der zweiten Läufigkeit durchgeführt wurde ) , sinkt deutlich bei kastrierten weiblichen Tieren.

  • Die Symptome einer Rolligkeit treten bei sterilisierten Tieren nicht mehr auf. Auch die Dauerrolligkeit ist bei weiblichen Tieren nach einem solchen Eingriff kein Thema mehr.

  • Bei Freigänger Katzen kommt noch dazu, dass sich ihr angestammtes Revier verkleinert. Sie halten sich näher an ihrem Haus auf und verabschieden sich von ihrem Streunerleben. Dadurch sind sie weniger Gefahren ausgesetzt. Wie Unfälle im Straßenverkehr oder der Geschlechterkampf mit Artgenossen.



Die Nachteile einer Kastration :


  • Das Tier wird träge und neigt zu Übergewicht

Es kann zur Gewichtszunahme beim Tier kommen. Denn meist zeigen sich Hunde und Katzen nicht mehr so aktiv wie vor der Kastration. Sie werden fauler und träger, zudem haben sie meist mehr Appetit und die Futterverwertung steigt an, obwohl der Kalorienbedarf bei dem Tier sinkt.  Darum ist es wichtig, nach einem solchen Eingriff auf die Aktivität und Fütterung des Haustieres zu achten und diese entsprechend anzupassen . Auch auf eine hochwertige Futterquelle ohne unnötige Zusatzstoffe darf vertraut werden. Im Fachhandel wird kalorienreduziertes Futter angeboten, welches speziell auf die kastrierten Hunde und Katzen abgestimmt ist. Ob das Tier nach einer Kastration dick wird, liegt somit  in der Hand des Besitzers. Kein Tier muss an Gewicht zunehmen wenn Ernährung und Aktivität angepasst werden.


  • Inkontinenz

In vereinzelten Fällen kann es zur Inkontinenz (meist durch Hormonumstellung) kommen.  Kommt es zum Harnträufeln beim Tier, tritt dies meist 2 bis 3 Jahre nach der Kastration auf.

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Was sind die Vor- und Nachteile einer Sterilisation bei Hund und Katze?

Die Vorteile einer Sterilisation gestalten sich wie folgt:

  • Kein tierischer Nachwuchs, der nicht gewollt ist.

  • Keine charakterliche Veränderung bei dem Tier.

  • Hund und Katze haben weniger mit einer Gewichtszunahme zu kämpfen, da sie weiterhin aktiv sind und ihre Verhaltensmuster beibehalten.


Die Nachteile einer Sterilisation:

Das Tier ist zwar unfruchtbar, dennoch bleibt der Fortpflanzungstrieb und das Streuner Verhalten durch die fortlaufende Hormonproduktion erhalten.


  • Die Dauerrolligkeit ist bei solchen Tieren oft noch ein großes Thema.

  • Der Trieb, sich fortpflanzen zu wollen, bleibt ungebrochen.

  • Das Markierverhalten kann weiterhin gegeben sein.




Sterilisation bzw. Kastration bei Hund und Katze -  Was ist vor dem Eingriff zu beachten?

Ob es nun zu einer Sterilisation oder zu einer Kastration kommt, sollte vorab mit dem Tierarzt des Vertrauens abgesprochen werden. Egal, für welchen Eingriff sich der Halter entscheidet, der Eingriff findet unter Narkose statt. Daher ist es für den Tierarzt wichtig, das Tier im nüchternen  Zustand vorzufinden. Hund und Katze sollten mindestens 12 Stunden vor einer OP kein Futter mehr zu fressen bekommen und sechs Stunden vor der OP nicht mehr getrunken haben.




Ist eine Sterilisation bzw. Kastration für Hund und Katze gefährlich?

Nein! Hierbei handelt es sich um eine Routineoperation, bei der der Halter kaum Bedenken haben muss. Grundsätzlich gilt zu sagen, dass jede OP - und sei sie noch so klein  - ein Risiko für das Tier sein kann. Obwohl es eine Routine-Operation ist, kann es zu unerwarteten Blutungen kommen, und es besteht ein Restrisiko der Infektion durch den Eingriff sowie das allgemeine Narkoserisiko.

Das Erstgespräch mit Terminvereinbarung

Als erste Maßnahme steht die Terminfindung für die OP an. Bei einer solchen Terminfindung wird es ein ausführliches Gespräch zwischen Tierhalter und Tierarzt geben. In einem solchen Gespräch können noch einmal alle Bedenken, die der Tierhalter hat, angesprochen werden.

Der Tag des Eingriffes

Bevor es zu einem solchen Eingriff überhaupt kommt, wird der Allgemeinzustand des Tieres vom Tierarzt genau untersucht. Wird der Allgemeinzustand als gut befunden, kommt es erst zu dem chirurgischen Eingriff.

Der Vertrag zur Operation wird unterzeichnet

Dieser gibt Auskunft über die Untersuchung des Allgemeinzustandes bei dem Tier. Zudem enthält ein solcher Vertrag wichtige Informationen zur Operationsnachsorge, sowie die zu erwartenden Kosten und eine Liste möglicher Komplikationen.





Was muss unmittelbar nach der Sterilisation bzw. Kastration beachtet werden?

Wenn dieser Vorgang zu Hause stattfindet, fühlt sich das Tier mitunter viel besser aufgehoben. Es ist das vertraute Umfeld, in dem es aus der Narkose erwacht. Das Tier findet sich ungestört an ihrem angestammten Schlafplatz wieder und muss nicht in einem Zwinger warten, bis es aus der tierärztlichen Praxis von ihrem Besitzer wieder abgeholt wird.



Hund und Katze werden von der Narkose noch sehr stark benommen sein. Darum ist es wichtig, dass der Schlafplatz auf dem Boden platziert ist, um die Gefahr eines Sturzes zu bannen. Nach dem Eingriff verspürt das Tier klarerweise noch Schmerzen, die aber schnell auch wieder schwinden. Egal, ob Hund oder Katze, das Tier will sich zurückziehen und seine Ruhe. Diese Ruhe muss der Halter seinem vierbeinigen Liebling unbedingt gönnen, aber ohne diesen aus den Augen zu lassen und immer wieder einen Blick auf ihn zu werfen. Empfehlenswert ist es, dem Tier einen Halskragen als Schutz anzulegen, damit es nicht an der Wunde lecken kann.



Nach ein bis zwei Tagen sind die Schmerzen verschwunden und die Welt des kastrierten bzw. sterilisierten Tieres  ist wieder in Ordnung. Sollten starke Nachblutungen auftreten, ist der Tierarzt zu kontaktieren.

Es gilt zu beachten: Die Kastration / Sterilisation  bei weiblichen Tieren ist mit größeren Schmerzen verbunden, als bei männlichen, da sie dafür eine Bauch-OP benötigen.





Was muss in Folge einer Sterilisation bzw. Kastration beachtet werden?



Das richtige Futter:

Die Futtergewohnheiten müssen langfristig umgestellt werden. Denn bereits wenige Tage nach einer Kastration nimmt das Hungergefühl bei dem Tier zu und der Appetit steigt an. Die Nahrungsaufnahme nimmt  um ca. 20 % zu, während der Kalorienbedarf um etwa 30 % sinkt. Dieses Verhältnis muss nun in Einklang gebracht werden, mit der passenden Futterquelle. Dafür gibt es spezielles Futter für kastrierte Katzen. Das Nährstoffprofil dieses Futters ist an die individuellen Bedürfnisse des Tieres angepasst. So gelingt es Hund und Katze auch ihr Idealgewicht zu halten.



Die richtigen Aktivitäten:

Nach einer Kastration zeigen sich die Tiere ruhiger und gemächlicher in ihrem Verhalten. Dennoch sollten sie von ihrem Halter ständig animiert werden, sich zu bewegen und aktiv zu bleiben.