Wann ist ein Notfall ein Notfall

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Autor: Tito Mukherjee & Sebastian Hahn ; Berater : Dr. Med. Vet Detlef Apelt



Es ist immer schwer zu beurteilen, ob Sie Ihre vierbeinige Schönheit in eine Tierklinik bringen müssen oder einfach darauf warten müssen, dass ein mobiler Tierarzt zu Ihnen nach Hause oder ins Büro kommt. Der bestmögliche Vorschlag, den wir machen können, ist, sofort eine telefonische Beratung mit einem Tierarzt zu erhalten. Die folgenden sind jedoch die Top 10 der Notfälle, in denen Sie Zeitverschwendung vermeiden und Ihr Haustier in eine Klinik bringen sollten.


1. Schwere Blutungen
Bei starken Blutungen drücken Sie mit der Handfläche auf die Stelle und legen Sie einen Verband an, um den Blutfluss zu stoppen. Ein sauberes Stück Stoff oder Handtuch sind als Wundauflage geeignet. Wenn der Verband vollständig mit Blut getränkt ist, legen Sie eine weitere Schicht des Verbandes auf, ohne den Originalverband zu entfernen. Der Verband kann auch vorübergehend mit einem Klebeband gesichert werden. Nachdem Sie diese Schritte befolgt haben, informieren Sie vorab die Notfallklinik und fahren ohne Umwege dorthin. In Fällen, in denen Fremdkörper in den Schädel, die Brust oder den Bauch Ihres Haustieres eingedrungen sind, vermeiden Sie es, das Objekt aus Ihrem Haustier zu entfernen. Achten Sie außerdem darauf, dass das Objekt während des Transports nicht weiter eindringt oder sich bewegt.

2. Atembeschwerden bei Katzen, Hunden oder Kaninchen
In Fällen von Ersticken, ununterbrochenem Husten oder Atembeschwerden vermeiden Sie es, Ihre Hand in den Mund Ihres Haustieres zu stecken, da dies dazu führen kann, dass ein eventuell verschluckter Fremdkörper weiter in die Tiefe der oberen Atemwege geschoben werden könnte, oder sie sogar gebissen werden könnten. Möglicherweise leidet Ihr Haustier auch an einer Herzerkrankung. Nehmen Sie schnellstmöglich Kontakt mit einer nahe gelegenen Tierklinik auf.  

3. Verletzungen der Augen oder plötzliche Erblindung
Im Falle von Schäden an den Augen Ihres Haustieres (durch andere Haustiere oder durch einen Unfall verursacht) bringen Sie Ihr Haustier bitte in die Klinik oder besser zu einem Fachtierarzt für Augenheilkunde (Ophthalmologe). Die Ursachen für plötzliche Erblindung können vielfältig sein und müssen über verschiedene Tests oder spezielle Verfahren abgeklärt werden.

4. Vergiftung
In Fällen, in denen Ihr Haustier vermutlich etwas Giftiges eingenommen hat, bringen Sie Ihr Haustier bitte direkt in die Klinik. Es gibt mehrere Dinge, die als tödliche Giftstoffe für Haustiere gelten. Rodentizide (Rattengift), Reinigungsmittel, Medikamente, Avocados, Schokolade, Batterien, Farben, Insektizide und Düngemittel, um nur einige zu nennen. Es gibt bestimmte Lebensmittel, die für den Menschen unschädlich  sind, aber für Haustiere schädlich sein können. Bitte konsultieren Sie Ihren Tierarzt, um diese Lebensmittel herauszufinden. Hier sind einige Beispiele: Koffein, Knoblauch, Macadamianüsse, Pilze, Samen, Kartoffelschalen, Rosinen, Tee, Walnüsse, Hefe und Teig.

5. Plötzlicher Schock oder Anfall
Schockzustände und Krampfanfälle können tödlich sein. Es gibt mehrere Gründe, warum ein Haustier in einen Schockzustand gerät.  Bei Verlust von größeren Mengen Blut, z.B. bei einem Unfall, oder durch eine angeborene oder erworbene Herzerkrankung. Ein Anfall hingegen kann durch Epilepsie, niedrigen Blutdruck oder Tumore verursacht werden. Bitte bringen Sie Ihr Haustier in solchen Fällen direkt in eine Notfallklinik. Ihr Tierarzt wird mehrere Tests durchführen, und eventuell zur weiterführenden Diagnostik raten.

6. Harnröhrenverstopfung
Keinen Urin absetzen zu können, kann für Ihr Haustier sehr schmerzhaft sein und erfordert die sofortige Aufmerksamkeit eines Tierarztes. Es kann mehrere Gründe geben, warum Ihr Haustier dies erlebt. Es kann eine Harnwegsinfektion, Blasensteine, Blutgerinnsel, Tumoren oder auch nur Stress sein. Sollte Ihr Haustier nicht in der Lage sein zu urinieren oder sich Blut im Urin befinden, können das erste Symptome sein. Es ist immer am besten, sich direkt von einem Tierarzt beraten zu lassen.

7. Hitzschlag
Hitzschläge bei Hunden und Katzen sind auch in kälteren Ländern sehr häufig. Ein plötzlich heißer Sommertag, an dem Ihr Haustier im Park spielt oder auf einem Baum ohne ausreichendes Wasser oder Schatten Zeit verbringt, kann Schlaganfälle auslösen. Typische Anzeichen von Hitzschlägen sind übermäßiges Keuchen, Sabbern, Erbrechen, Durchfall, mentale Desorientierung oder Bewusstlosigkeit. Ein Hitzschlag kann zu Nierenversagen, Darmblutungen und Blutgerinnung führen. Bitte bringen Sie Ihr Haustier sofort in kühle Innenräume und stellen Sie kaltes Wasser zur Verfügung, bevor Sie Ihr Haustier in eine Tierklinik bringen.   

8. Bisswunde
Haustiere können beim Herumspielen oder in Fällen von territorialen Situationen in Kämpfe geraten. Katzen haben sehr kleine Reißzähne und daher können ihre Bisse bis zu einigen Tagen unbemerkt bleiben, bevor die Infektion einsetzt. Es kann zu Schmerzen und Fieber führen. Hundebisse zeigen in der Regel deutliche Hautveränderungen, die bei langhaarigen Hunderassen eventuell unter dem Fell verborgen sein können. Wenn Ihr Hund blutet , humpelt, jammert oder Atembeschwerden hat, gehen Sie bitte in eine Klinik. Ihr Tierarzt entscheidet in der Regel, was zu tun ist. Meist beinhaltet die Behandlung von Bissverletzungen das Freischären, Spülen und Abdecken der Wunden. Bei starker Verunreinigung der Wunde muss diese chirurgisch aufgefrischt werden.  Das Verabreichen von Antibiotika und Schmerzmittel gehören ebenso zur Behandlung wie ggf. eine Blutuntersuchung.

9. Gebrochene Knochen
Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, wie Ihr Haustier in einen Unfall geraten und sich die Knochen brechen kann. Es gibt typischerweise zwei Arten von Frakturverletzungen, offene und geschlossene. Offene Frakturen sind Verletzungen,  bei denen der Knochen freigelegt und sichtbar ist. Während bei einer geschlossenen Frakturen die Knochen von der Haut bedeckt bleibt . Für beide Fälle gilt es kein Antiseptikum auf die offene Wunde aufzutragen, keinen Druck auf die Fraktur auszuüben oder sie zurückzusetzen. In allen Fällen von Frakturen, ist es sehr wichtig, sofort einen Tierarzt aufzusuchen.


10. Extreme Schmerzen   
Haustiere können mehrere Ursachen für Schmerzen haben, aber im Gegensatz zu Menschen können sie Ihnen nichts über sie erzählen. Die Kunst besteht darin herauszufinden wo der Schmerz herkommt , bevor sich die Situation verschlechtert. Die Haustiere haben verschiedene Zeichen, um ihre Schmerzen zu zeigen. Es beinhaltet rastloses Verhalten, Keuchen, schnelle Herzfrequenz und manchmal Aggression. Einige der häufigsten Ursachen für Schmerzen bei Haustieren sind altersbedingt degenerative Probleme, Blasenentzündung, Ohreninfektion, Hüftdysplasie, Arthritis/Arthrose Schilddrüsenfehlfunktionen oder Blähungen. Ihr Tierarzt wird eine Ganzkörperuntersuchung Ihres Haustieres durchführen, um die genaue Ursache herauszufinden. Bitte lassen Sie Ihr Haustier fachkundig untersuchen, bevor medizinische Schritte eingeleitet werden.

Wir empfehlen immer, dass es der sicherste Weg ist, in all den geschilderten Fällen eine Meinung von einem Tierarzt zu erhalten, da Symptome, Ursachen und Ergebnisse von Fall zu Fall variieren können.

Wir hoffen, dass der Artikel Ihnen hilft in besonderen Situationen die Ruhe zu bewahren und die richtige Reaktion zu zeigen.