Haustier Gesundheit

“Da ist doch der Wurm drin” - das Wichtigste zur Entwurmung Ihres Haustiers

May 17, 2019
Kathleen Schulze


Dem Thema Entwurmung des Haustieres stehen einige Tierhalter skeptisch oder zumindest unsicher gegenüber. Jedoch ist auch der Ekel groß, wenn man entsprechende Bilder von Würmern sieht oder der eigene Hund bei einem starken Befall lebende Würmer ausscheidet.

Was ist nun die richtige Herangehensweise? Tierärzte raten gern eine regelmäßige vorsorgliche Entwurmung des Haustieres an, ohne vorab sicher zu stellen, ob das Tier überhaupt unter einem Wurmbefall leidet. Da könnte natürlich die Vermutung aufkommen, der Tierarzt spricht diese Empfehlung nur aus, weil er mit dem Verkauf entsprechender Entwurmungsmittel Geld verdienen möchte. Jedoch würde der Tierarzt tatsächlich mehr Geld verdienen, wenn er Ihnen zuerst eine entsprechende Kotuntersuchung auf Würmer anrät. Dies ist grundsätzlich eine Reihenfolge, die durchaus Sinn macht und “lege artis” wäre. Zumindest auch, wenn man - wie es ja heutzutage für viele Menschen wieder wichtig ist - seinem Tier so wenig “Chemie” wie möglich geben möchte.


Hier aber der Hinweis: man kann mit einer Kotuntersuchung, einer sogenannten Flotation oder Sedimentation, und der dazu gehörigen mikroskopischen Beurteilung der Probe nie eine 100% sichere Aussage über einen möglichen Wurmbefall oder eben Parasitenfreiheit treffen. Um die Sicherheit des Ergebnisses zu erhöhen, wird Ihnen als Tierbesitzer geraten, für eine entsprechende Untersuchung des Kotes Ihres Haustieres immer eine Sammelkotprobe von 3 Tagen abzugeben.


Hintergrund ist folgender: je nach Wurmart werden bei erreichter Geschlechtsreife zur Verbreitung über den Kot Eier oder gar Larven ausgeschieden. Diese werden aber auch nicht zwingend bei jedem einzelnen Kotabsatz ausgeschieden, sondern intermittierend. Durch das Sammeln über mehrere Tage möchte man also die Wahrscheinlichkeit, bei einem Verdacht auch wirklich etwas nachweisen zu können, erhöhen.

Wie schon erwähnt: ein negatives Ergebnis spricht leider noch lange nicht mit Sicherheit für eine Wurmfreiheit Ihres Tieres!


Bei anderen Wurmarten können Spezialuntersuchungen des Kotes im Labor nötig sein. So ist z.B. bei Verdacht auf Lungenwürmer ein sogenanntes Auswanderungsverfahren als Kotuntersuchung sinnvoll. Weiterhin ist in diesem Fall bei entsprechendem Verdacht aber auch eine Röntgenaufnahme der Lunge ein übliches Diagnostik-Mittel.


Wie oft muss ein Hund entwurmt werden?


Sollten Sie auf Nummer sicher gehen wollen und wissen Sie, dass Ihr Haustier entsprechende Wurmmittel gut verträgt, so ist eine regelmäßige Entwurmung Ihres Hundes oder auch Ihrer Katze - auch ohne vorherige Kotuntersuchung - sehr sinnvoll.

Regelmäßig bedeutet zunächst einmal in einem bestimmten Rhythmus. Dies kann von 1x im Jahr bis zu 4-6x im Jahr variieren. Tatsächlich hängt das Risiko für eine Wurminfektion und somit auch der empfohlene Rhythmus nämlich von verschiedenen Faktoren bei der Haltung oder auch Fütterung ab. Hat Ihr Hund viel unbeaufsichtigten Freilauf und buddelt gern? Oder wird er gar jagdlich geführt? Fängt Ihre Freigänger-Katze regelmäßig Mäuse oder Vögel? Füttern Sie Ihrem Haustier gelegentlich rohes Fleisch? Oder füttern Sie sogar täglich BARF-Rationen? Finden Sie heraus, wie hoch das individuelle Infektionsrisiko für Würmer bei Ihrem Haustier ist. Dort können Sie außerdem allgemeine Richtlinien zum Thema Würmer bei Hund und Katze einsehen, die von der europäischen Vereinigung der Veterinärparasitologen (ESCCAP) zusammen gestellt wurden.


Grundsätzlich gilt zu sagen: Haustiere in unseren Breitengraden haben eher selten mit dramatischen Folgen eines Wurmbefalles zu kämpfen, da durch die gute medizinische Versorgung in der Regel rechtzeitig eine notwendige Therapie mit entsprechender Wurmkur erfolgt. Ein leichter, frischer Befall ist zunächst auch harmlos und beeinträchtigt den Körper nicht stark, birgt aber natürlich immer das Risiko der Ansteckung für andere Individuen - auch Sie selbst! Schreitet der Befall jedoch voran, so kann das Tier tatsächlich erkranken und der Organismus durch eine Infektion deutlich geschwächt werden.


Was sind Anzeichen für Würmer?


Übliche, für Sie als Tierhalter sichtbare Symptome bei einem Wurmbefall sind je nach Wurmart z.B. ein stark aufgeblähter Bauch, Durchfall, Erbrechen, struppiges Fell, Gewichtsverlust bei oftmals stark erhöhtem Appetit. Bei stark ausgeprägten Infektionen können sogar Veränderung im Blutbild sichtbar werden. Dies zeigt wie massiv Endoparasiten den Organismus belasten können. Jedoch ist es ein weit verbreiteter Irrglaube, dass diese Würmer nur den Darm besiedeln können. Tatsächlich können sie sich auch in Organe oder Muskeln zurückziehen. Das bekannteste Beispiel dafür ist auch der Fuchsbandwurm, der die Leber seines Wirtes befällt und veheerenden Schaden anrichten kann. Beim Menschen zeigen sich Symptome oft auch erst bis zu 15 Jahre nach der eigentlichen Infektion! Ein frühes Symptom dieser lebensgefährlichen Erkrankung ist u.a. unspezifische Abgeschlagenheit, fortschreitend führt es dann zur Leberzirrhose, sogar bis hin zum Tod!


Können Würmer vom Hund auf den Menschen übertragen werden?


Was hierbei auch zu bedenken gilt: einige Wurmarten, z.B. Spul- und Bandwürmer oder der eben genannte Fuchsbandwurm, sind auch für den Menschen gefährlich. Ist eine Übertragung von Tier auf Mensch möglich, so spricht man von einer Zoonose. Haben Sie also einen sehr engen Kontakt zu Ihrem Hund oder ist Ihr Immunsystem auf bestimmten Gründen supprimiert (z.B. aufgrund von Alter, chronischen Erkrankungen oder gewisser Medikation), so ist Ihr Risiko für eine Ansteckung auch erhöht. Hier sollte grundsätzlich auf einfache Hygienemaßnahmen, wie Hände waschen nach intensivem Streicheln geachtet werden, da Wurmeier auch im Fell rund um den Afterbereich anhaften können. Ihre Hände sollten danach also nie direkt Richtung Mund wandern. Dies ist natürlich besonders bei Kindern eine übliche Gangart, die sich auch mit guter “Erziehung” nicht unbedingt verhindern lässt. Sollte Ihr Haustier also viel Kinderkontakt haben, so ist eine sehr regelmäßige Entwurmung bzw. Kontrolluntersuchung immer angezeigt!


Natürlich ist eine Infektion aber nicht nur über Ihr eigenes Haustier möglich. Eine besonders häufige Infektionsquelle ist der Verzehr von ungewaschenem Obst und Gemüse oder auch von rohem Fleisch. Auch in solchen Fällen ist also auf ein ausreichendes Bewusstsein zu dem Thema zu achten.


Sollte ein Wurmbefall bei Ihrem Haustier bekannt sein und sollten Sie zuvor genannte Symptome bei sich selbst bemerken, so ist ein Besuch des Arztes dringend anzuraten. Erwähnen Sie dort immer unbedingt, dass eine Infektion durch Ihr Haustier wahrscheinlich ist, weil in diesem Fall immer andere Wurmarten, also auch andere Untersuchungsformen, sowie andere Medikamente zur Behandlung bedacht werden müssen.


Bietet eine “Wurmkur” Schutz für längere Zeit?


Im Gegensatz zu Floh- und Zeckenmitteln, die zur Prophylaxe bei Ektoparasiten gehören und in der Regel - je nach Präparat - ca. 3-12 Wochen wirksam sind, erreicht man mit der Gabe einer “Wurmkur” keine Schutzwirkung. Ein solches Präparat wirkt nur ca. 24 Stunden nach der Gabe, also so lange, wie es im Verdauungstrakt ist und aufgenommen wurde. Schon einen Tag später könnte Ihr Tier wieder Wurmeier aufnehmen, die dann innerhalb einiger Wochen bis Monate wieder zu einem ausgeprägten Wurmbefall führen können.


Bei nachgewiesenem Wurmbefall und erfolgter Therapie sollte man am darauffolgenden Tag etwas verstärkte Hygiene in der Umgebung walten lassen. Die Schlaf- und Liegeplätze sollten mit entsprechenden Putzmitteln gesäubert und vom Tier genutzte Decken sollten - soweit möglich - heiß gewaschen werden. Bei Katzen sollte man außerdem eine intensive Reinigung des Katzenklos vornehmen, um eine Re-Infektion zu verhindern.


Kann ich mit Hausmitteln Würmern vorbeugen?


Wie so oft, gibt es natürlich auch zum Thema Würmer den Ansatz, auf alternative Weise mit pflanzlichen Mitteln zu behandeln oder auch vorzubeugen.

Hier sind als erstes Kokosöl oder gar Kokosflocken zu nennen. Besonders den Kokosflocken wird nachgesagt, dass sie bei dauerhafter Zugabe zum Futter die Darmschleimhaut stärken und somit ein Festsetzen von Würmern und ihren verschiedenen Vorstufen verhindern.

Ein solcher Effekt wird wohl ebenfalls durch die Zugabe von Kürbiskernen, gemahlen oder im Ganzen erreicht. Das Zufüttern von Ananaspulver oder aber von geriebenen/gekochten Karotten soll Würmer angreifen, sie lähmen und so unschädlich machen.

Um hier bei der Verabreichung und Dosierung auf Nummer sicher zu gehen, sollten Sie sich von einem Tierheilpraktiker oder einem naturheilkundlich ausgerichteten Tierarzt fachkundig beraten lassen.


Ein Tier mit gesundem Immunsystem ist weniger anfällig für eine Wurminfektion, als ein ohnehin schon geschwächter Organismus. Aber auch darauf sollte man sich nicht dauerhaft verlassen. Möchte man die Gabe schulmedizinischer Entwurmungsmittel vermeiden, so ist mindestens eine regelmäßige Überprüfung des Kots durch einen Tierarzt unerlässlich!



Welche Medikamente gibt es zur Entwurmung? Wie wende ich diese Mittel an?


Die zur Therapie gegen Würmer verfügbaren Medikamente sind in der heutigen Zeit oftmals “Breitbandwurmmittel”. Das bedeutet, das Medikament ist nicht nur gegen eine einzelne Wurmart wirksam ist, sondern gleichzeitig auch gegen andere. In der Regel eliminiert man bei einer Behandlung mit solchen Mitteln sowohl Band-, als auch Haken- und Spulwürmer. Eines dieser Mittel, Milbemax (Wirkstoff: Milbemycin kombiniert mit Praziquantel), ist zusätzlich auch wirksam gegen Herzwürmer, die durch die Sandmücke häufig in der Mittelmeerregion übertragen werden. Die einmalige Gabe solcher Mittel machen besonders dann Sinn, wenn vorab keine Kotuntersuchung erfolgt ist und man nicht eingrenzen kann, ob und wenn ja mit welcher Wurmart das Haustier befallen ist.


In bestimmten Fällen, besonders bei Welpen mit einem noch nicht voll ausgereiften Magen-Darm-Trakt, macht es jedoch Sinn, ein Mittel zu wählen, was etwas “sanfter” ist. Panacur (Wirkstoff: Fenbendazol) muss in diesen Fällen zwar über 3 aufeinander folgende Tage verabreicht werden, da es bei einem möglichen Befall die Würmer nur langsam abtötet. Dies ist aber deutlich schonender und somit besser verträglich für den Körper. Nachteil: Panacur gilt zwar auch als Breitband-Anthelminthikum, ist aber nicht gegen alle Bandwurmarten wirksam.


Klassisch werden diese Präparate als Tablette (mit oder ohne Aroma) oder aber auch als Paste verabreicht. Bei Hunden ist dies zusammen mit einem Leckerli meistens recht unkompliziert. Für Katzenbesitzer stellt die orale Verabreichung von Medikamenten jedoch häufig ein großes Problem dar. Katzen sind “sehr talentiert” wenn es darum geht, ein Medikament “auszusortieren”. Hier hat sich die Pharmaindustrie natürlich auch Alternativen überlegt: es gibt Entwurmungsmittel auch in Form von Spot on-Präparaten, die also in der Anwendung wie Floh- und Zeckenschutzmittel funktionieren. Gerne werden diese inzwischen auch kombiniert als Mittel gegen Endo- und Ektoparasiten angeboten (Broadline oder auch Stronghold), als reines Entwurmungsmittel gibt es aber auch Profender.

Die Dosierung der jeweiligen Wurmmittel ist immer gewichtsabhängig, muss also individuell nach Gewicht Ihres Tieres berechnet und angepasst werden, damit es nicht unter-, aber auch nicht überdosiert ist.


Die entsprechenden Entwurmungspräparate sind jedoch alle verschreibungspflichtig und werden von einem Tierarzt daher nur nach einer erfolgten Konsultation und Aufklärung an Sie als Tierhalter abgegeben. Dies ist auch bequem und stressfrei im Hausbesuch möglich:

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