Katzen

Toxoplasmose in der Schwangerschaft - Die Katze als Übeltäter?

July 3, 2019
Kathleen Schulze


Was ist Toxoplasmose?


Toxoplasmose ist eine Infektionserkrankung, die durch einen endoparasitären Einzeller namens Toxoplasma gondii ausgelöst wird. Haupt- und Endwirt dieses Parasits ist - laut Fachliteratur -  immer die Katze (auch Großkatzen). Um seinen Entwicklungszyklus abzuschließen, ist er auf Zwischenwirte angewiesen. Diese sind meistens Mäuse oder andere Nagetiere. Aber auch alle anderen Wirbeltiere, wie Schweine, Rinder, Schafe, Hunde u.a. dienen als Zwischenwirt, auch wir Menschen. Somit gilt die Toxoplasmose als eine Zoonose.

Toxoplasma gondii vermehrt sich im Darm seines Hauptwirtes, also der Katze. Die infolgedessen im Kot enthaltenen Eier des Erregers, sogenannte Oozysten, sind nach Ausscheidung nicht sofort infektiös. Erst nach ca. 24 Stunden an der Luft werden diese durch den Vorgang der Sporulation ansteckend - das sind die Oozysten dann aber für mehrere Monate, sogar bis zu 2 Jahre, da sie in der Außenwelt und besonders in feuchter Erde besonders lange widerstandsfähig sind. Die Katze ist das einzige Tier, welches infektiöse Stadien mit dem Kot ausscheidet. Allerdings nur, wenn sie eine frische Infektion durchmacht und auch nur für die Dauer von ca. 3 Wochen. Danach ist die Katze immun und auch bei einer Neuinfektion wird sie keine infektiösen Oozysten mehr ausscheiden. Somit kann eine Katze also keine dauerhafte Ansteckungsquelle darstellen.


Ist meine Katze der “Übeltäter”?


Das Thema “ Toxoplasmose” wird für viele Menschen erst dann präsent und wichtig, wenn es um eine Schwangerschaft geht.

Eine Blutuntersuchung auf Toxoplasmose gehört beim Menschen während einer Schwangerschaft noch nicht zur Routine. Nur in begründeten Verdachtsfällen übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen diese Untersuchung. Ansonsten ist sie eine "individuelle Gesundheitsleistung" (IgeL), von der die Krankenkassen unterschiedlich hohe Prozentsätze der Kosten übernehmen. Dabei sind viele werdende Eltern besonders besorgt, wenn sie eine oder gar mehrere Katzen als Haustier haben. Diese Sorge ist insofern berechtigt, als dass bei einer Infektion der werdenden Mutter innerhalb der Schwangerschaft das Ungeborene starke Schäden davon tragen oder es im schlimmsten Fall (unbehandelt) sogar zu einer Fehl-/Totgeburt kommen kann.

Viele Gynäkologen erwähnen vor allem die Katze als “Übeltäter” für die Übertragung dieser Erkrankung. Das Zusammenleben bzw. der Kontakt mit einer (frisch) infizierten Katze ist zwar ein Infektionsweg, aber eben nur EINER von mehreren - und es ist noch nicht einmal der Wahrscheinlichste! Denn nach heutigem Erfahrungsstand ist es definitiv nicht nur die Katze, die für die extreme Verbreitung und hohe Infektionsrate beim Menschen sorgt.

Daher ist die entsprechende Aufklärung zu den Hintergründen und den einer Infektion vorbeugenden Maßnahmen so wichtig!


Welche Symptome gibt es bei Toxoplasmose?


Im Allgemeinen herrscht leider kein besonderes Bewusstsein für diesen Erreger, mögliche Infektionsquellen, sowie deren Vermeidung und es wird zu wenig darüber aufgeklärt, obwohl der Erreger weltweit und außerdem sehr häufig vorkommt.

Dies werden auch Gründe dafür sein, warum sich so viele Menschen infizieren - ohne es zu bemerken.

Die Krankheit verläuft oftmals symptomlos bzw. ähneln die spürbaren Symptome denen eines grippalen Infektes: Müdigkeit, Mattheit oder seltener auch geschwollene Lymphknoten. Somit bleibt eine Infektion in der Regel unbemerkt bzw. wird nicht als Toxoplasmose-Infektion wahrgenommen. Die Inkubationszeit beträgt ca. 2-3 Wochen.

Viele Frauen erfahren dann erst bei der bereits erwähnten Schwangerschaftsuntersuchung, ob oder auch dass sie Toxoplasmose-positiv sind und irgendwann diese Erkrankung durchgemacht haben müssen. Laut Schätzungen haben sich ca. 50-70% aller Frauen in Deutschland schon vor der Schwangerschaft mit Toxoplasmose infiziert. Das ungeborene Kind ist bei einer erneuten Infektion der Mutter durch die bereits zuvor von der Mutter gebildeten Antikörper vor einer Ansteckung “geschützt”. Die Infektionsrate während der Schwangerschaft für bis dato Toxoplasmose-negative Frauen liegt bei nur ca. 1%, die des Babys im Mutterleib wiederum bei nur 0,5%. Diese Zahlen sollen die Problematik natürlich nicht verharmlosen. Auch wenn eine Infektion heutzutage mit Medikamenten gut behandelbar ist - eine Schädigung des Ungeborenen ist allerdings nicht zuverlässig zu vermeiden- , so ist es für die betroffenen Mütter ohne Frage eine dramatische Erfahrung, die mit großen Sorgen verbunden ist.

Doch wie kann man das Risiko einer Infektion verringern? Wie heißt es so schön: Vorsorge ist besser, als Nachsorge! Aber dazu müssen Sie ja erst einmal wissen, welche Situationen eine Gefahr mit sich bringen können.


Wie kann ich mich mit Toxoplasmose anstecken?


Wie schon erwähnt, wird “der schwarze Peter” hier in der Regel immer noch der Katze als Haustier zugeschoben. Den meisten, die schon einmal von der Krankheit gehört haben, kommt wegen der fehlenden Aufklärung über aktuelle Erkenntnisse zuerst die Katze als Infektionsquelle in den Sinn.

Es ist richtig, dass die Katze ein potenzieller Überträger ist, aber natürlich auch nur dann, wenn es eine mit Toxoplasmose frisch infizierte Katze ist. Katzen, sowie auch Großfeliden, sind tatsächlich die einzigen Wirte, die in den ersten Wochen nach einer Erstinfektion Oozysten über den Kot ausscheiden, worüber später bei Kontakt oder Aufnahme eine Infektion erfolgen kann. Die Katze selbst infiziert sich in der Regel über den Zwischenwirt: die Maus. Eine Katze muss also Freigänger sein, um ein erhöhtes Infektionsrisiko zu haben. Hatte Ihre Katze aber nie Freigang, bei dem sie Mäuse gefangen oder in mit Oozysten kontaminierter Erde gebuddelt hat, dann ist eine Infektion sehr unwahrscheinlich. Aufmerksam sein sollten aber Tierhalter, die ihren Vierbeiner, egal ob Katze oder Hund, barfen (d.h. mit rohem Fleisch ernähren).

Rohes bzw. nicht ausreichend durchgegartes Fleisch, das in Deutschland so beliebte "Hackepeter-Brötchen" oder sonstige Rohwurstwaren sind beim Menschen die häufigste Infektionsquelle. Genauso wie ungewaschenes Obst und Gemüse. Somit sind auch Nicht-Tierhalter, genauso wie Vegetarier oder aber Fleischliebhaber deutlich gefährdet, sich im Laufe ihres Lebens beim Verzehr genannter Lebensmittel auf indirektem Wege mit Toxoplasmose zu infizieren.

Doch wie kommt der Erreger an mein Gemüse oder in mein Fleisch? Bei pflanzlichen Lebensmitteln ist dies wiederum dem Kot zuzuschreiben, den frisch infizierte Freigänger-Katzen gern auf Wiesen, Feldern oder in Beeten hinterlassen. Dort werden die Erreger dann z.B. von Schafen beim Fressen von Gras aufgenommen oder sie haften an dem Salat, der eventuell nicht ausreichend gewaschen auf Ihrem Teller landet.

Das Fleisch hingegen gilt als Infektionsquelle, weil der Erreger in seinem Entwicklungszyklus Tiere, wie Schweine, Rinder, Schafe, Ziegen, Geflügel, u.a. als Zwischenwirte benötigt und in ihrem Gewebe von Skelettmuskulatur, Herz, Gehirn und Leber Zysten bildet, die Hunderte von infektiösen Stadien der Toxoplasmen beinhalten. Also genau in den Teilen vom Tier, die gerne und häufig vom Menschen verzehrt werden.

Nicht zu vergessen ist außerdem der Verzehr von nicht pasteurisierter Milch von Rindern, Schafen oder Ziegen. Dies sind aber Lebensmittel, von deren Verzehr man in rohem - also nicht erhitztem - Zustand auch wegen diverser anderer möglicher Krankheitsübertragungen abrät.

Zurück zum Katzenkot: Neigt Ihr geliebter Hund - wie leider sehr viele Fellnasen - zu der weniger schönen Angewohnheit Kot von Katzen zu fressen? Oder sich darin zu wälzen? Dann zählt auch er zu einem potenziellen Opfer für eine Infektion mit Toxoplasmose. Dies passiert nur sehr selten und führt bei einer Infektion auch selten zu Symptomen, weshalb es auch selten erkannt und sicher diagnostiziert wird. Besonders bei trächtigen Hündinnen und Welpen kann eine Infektion mit Toxoplasmen schwerwiegend verlaufen. Der Mensch kann sich beim Hund nicht anstecken.

Bei fehlenden Hygienemaßnahmen ist eine direkte Ansteckung über eine Schmierinfektion bei der Gartenarbeit über verunreinigte Erde oder beim Säubern des Katzenklos (nur WENN Sie eine Toxoplasmose-positive Katze, die potenziell infektiösen Kot ausscheidet, haben!) möglich. Eine weitere, oft außer Acht gelassene Gefahr sind Sandkästen bzw. -flächen auf Kinderspielplätzen, da z.B. Katzen dort gerne ihr Geschäft verrichten.

Welche Therapie bei Toxoplasmose?


Bei Menschen mit gutem Allgemeinzustand und einem mildem Verlauf ist auch nicht zwingend eine Medikation erforderlich, da die Krankheit für diese nicht gefährlich ist. Bei Schwangeren, die sich während der Schwangerschaft infizieren, oder Babys, die sich intrauterin angesteckt haben, sowie Menschen mit schwer wiegender Immunsuppression, wie z.B. HIV-Erkrankte imd Krebskranke, wird von Humanmedizinern in der Regel eine Therapie mit Antibiotika- und/oder Antiparasitika-Präparaten empfohlen. Zu diesen Medikamenten zählen u.a. Pyrimethamin, Sulfadiazin oder auch Clindamycin.


Wie kann ich eine Toxoplasmose Infektion vermeiden?


Um es kurz und übersichtlich zu halten, hier eine Auflistung mit Vorsorgemaßnahmen zur Verringerung des Risikos einer Toxoplasmose-Infektion:

  • gründliches Reinigen von Obst & Gemüse vor dem Verzehr
  • Gemüse, wie Karotten oder Kartoffeln, welches noch Reste von Erde anhaften hat, gesondert lagern
  • Haben Sie ungewaschenes Gemüse/Obst oder rohes Fleisch berührt, so waschen Sie sich gründlich die Hände
  • Verzehr von Fleisch nur in durchgegartem Zustand (empfohlene Kerntemperatur: mindestens 50°C, besser höher) bzw. in rohem Zustand nur nach dem Einfrieren bei mindestens minus 20°C über mehrere Wochen
  • kein Verzehr von nicht pasteurisierter Milch
  • Füttern Sie Ihr Haustier mit Rohfleisch, so reinigen Sie nach jeder Mahlzeit die Näpfe und das Equipment, mit dem Sie das Futter zubereitet haben, sehr gründlich
  • Tragen Sie bei Gartenarbeit Handschuhe und waschen Sie sich danach gründlich die Hände mit Wasser und Seife, dies gilt genauso für Kontakt mit Tierkot, z.B. nach dem Reinigen der Katzentoilette
  • Reinigen Sie die Katzentoilette sehr regelmäßig, optimalerweise täglich, mit heißem Wasser (Schwangere sollten diese Aufgabe im besten Fall an andere Personen abgeben)
  • Nach dem man ein Tier gestreichelt hat, sollte man es generell vermeiden, die Hände Richtung Gesicht, speziell Mund, zu nehmen, waschen Sie sich zuvor gründlich die Hände

Um eine Lanze für Ihre Katze zu brechen: bei einer potenziellen Schwangerschaft aus Sorge über eine Toxoplasmose-Infektion eine Abgabe des eigenen Haustieres in Erwägung zu ziehen, ist nicht sinnvoll! Das “normale Leben” birgt mehr Risiken für eine solche Infektion als das Zusammenleben mit einer Katze.


Eine Beratung zum Thema Toxoplasmose ist problemlos im Hausbesuch möglich - buchen Sie jetzt ganz einfach online oder telefonisch Ihren Termin!

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