Haustier Gesundheit

Zecken beim Hund: Das sollten Sie als Hundebesitzer wissen

April 24, 2019
Kathleen Schulze


Der Winter ist passé: die Tage werden länger, die Sonne strahlt, es wird nach und nach wärmer. So werden wir alle wieder aktiver und genießen mehr Zeit im Freien und Grünen, worüber sich besonders unsere Vierbeiner freuen.

Aber auch die Zecken, kleine spinnenartige Ektoparasiten, erwachen ab einer Umgebungstemperatur von ca. 5-10°C quasi vollkommen ausgehungert aus der Winterruhe, werden aktiv und warten am Waldesrand oder gar im Park auf einen sogenannten Wirt für ihre Blutmahlzeit. Dabei ist es ihnen gleich, ob ihr Opfer Mensch oder Tier ist. So klein und harmlos, wie sie auch aussehen mögen: die kleinen “Blutsauger” können viel Ärger bereiten!

Im Volksmund spricht man vom Zeckenbiss, korrekt ist aufgrund der “Mundwerkzeuge” der Zecke aber eigentlich ein Stich, durch den die Zecken schwere Erkrankungen übertragen können. Entscheidend bei der Krankheitsübertragung ist jedoch nicht der Stich selbst, sondern vielmehr die Dauer des Saugvorgangs. Wenn eine Zecke bereits “gebissen” und sich festgesetzt hat, bedeutet dies nicht gleich, dass es auch schon zur Übertragung von Erregern gekommen ist. Hinzu kommt, dass tatsächlich nicht jede Zecke von Erregern befallen ist und somit ein gesundheitliches Risiko für Mensch und Tier darstellen kann. Nur sieht man leider keiner Zecke an, ob sie Überträger ist oder nicht. Sollte eine Zecke aber befallen sein und bereits mehr als 12-24 Stunden Blut saugen, so steigt die Wahrscheinlichkeit einer Übertragung von Erregern, die schwer wiegende Erkrankungen verursachen.


Welche Krankheiten können Zecken übertragen?


Dabei geht es nicht mehr nur um FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis) oder Borreliose, die in Deutschland durchaus bekannt sind. Weitere von Zecken übertragene Krankheiten sind Babesiose, Anaplasmose und Ehrlichiose. Auch hier zeigen Erderwärmung, sowie Reisefreudigkeit der Menschen und ausgeprägte Mobilität ihre Auswirkungen und bringen Zeckenarten und somit auch die durch sie übertragenen Erkrankungen aus wärmeren und südlicher gelegenen Regionen in unsere Breitengrade. Dabei breiten sich die Zecken durch entsprechend optimale Bedingungen weiter Richtung Norden aus, werden aber auch bei Reisen “mit nach Hause genommen”. Auswirkung hat aber - zumindest im Fall der Erkrankung Babesiose - auch der deutliche Anstieg des Imports von “Tierschutz-Hunden”, die sich oftmals aufgrund fehlenden Schutzes bereits in ihrer Heimat infiziert haben. Hier kann es dann im neuen Zuhause durch den Saugakt einer Zecke zu einer Übertragung der Erreger von Hund auf Zecke kommen. Ja, auch diese Richtung ist bei der Übertragung möglich und fördert eine Ausbreitung dieser Erkrankung hierzulande. Aufgrund recht unspezifischer Symptomatik werden Erkrankungen wie die Babesiose, auch Hundemalaria genannt, jedoch auch häufig nicht oder zu spät erkannt und können in solchen Fällen sogar tödlich verlaufen.


Da gibt es doch eine “Zecken-Impfung”, oder?


Die häufigste und auch für den Menschen gefährliche Erkrankung ist jedoch die Borreliose, eine von Zecken übertragene bakterielle Erkrankung. Das häufige Vorkommen in Deutschland liegt wohl daran, dass je nach Region ca. 25-75% der dort befindlichen Zecken von Borrelien befallen sind. Die Symptome bei einer Infektion können vielseitig sein. Beim Hund sind in der Regel wenige Wochen nach dem Saugakt einer infizierten Zecke allgemeine Symptome wie Mattheit, Fieber und Fressunlust, aber auch wechselnde Lahmheiten aufgrund von Gelenkschmerzen zu bemerken.


Eine Impfung gegen Borreliose gibt es aktuell nur für Hunde -und inzwischen auch Pferde. Jedoch sollte man sich mit dieser Impfung, gerne auch “Zecken-Impfung” genannt, nicht in falscher Sicherheit wiegen: der Impfstoff basiert auf 3 Bakterien-Stämmen, welche laut bisherigen Erkenntnissen am häufigsten eine Borreliose-Infektion beim Hund auslösen. Es gibt jedoch weitaus mehr Borrelien-Stämme, welche auch regional in sehr unterschiedlicher Intensität vorkommen. Somit kann diese Impfung also keinen vollen Schutz vor einer Borreliose-Erkrankung bieten. Aus diesem Grund wird der Zweck dieser Impfung selbst unter Impfbefürwortern durchaus in Frage gestellt und es gilt eine Entscheidung für diese Impfung kritisch zu überdenken.


Einen guten Zeckenschutz sollte man daher auch trotz dieser Impfung nicht wegfallen lassen - eben, weil Zecken noch die anderen bereits genannten Krankheiten übertragen können.

Sollte es trotzdem zu einer Borreliose-Infektion kommen, so ist die Erkrankung über eine Blutuntersuchung oder eine Spezialuntersuchung der Zecke selbst zu diagnostizieren. Die nötige Behandlung mit einem Antibiotikum sollte so schnell wie mögliche erfolgen und ist recht langwierig, jedoch häufig erfolgreich. Es kann aber trotz zunächst erfolgreicher Behandlung auch zu Rückfällen und Spätschäden durch diese Erkrankung kommen.


Wie kann ich meinen Hund vor Zecken schützen?


Als einfachste und direkteste Methode gilt immer noch das “Absuchen” Ihres Tieres nach einem Spaziergang. Da eine Zecke, bevor sie die perfekte Stelle für ihre Blutmahlzeit gefunden hat, zunächst einige Zeit am Tier herumkrabbelt, bleibt Ihnen diese Zeit dafür. Dies ist jedoch nie ganz sicher, da es je nach Beschaffenheit des Fells Ihres Hundes eine echte Sisyphusarbeit ist. Hinzu kommt: wer von uns allen hat im üblicherweise stressigen Alltag schon die Zeit dem nachzugehen? Daher greift man als Hunde- oder auch Katzenhalter meistens doch zu Zeckenschutzmitteln, die für die Abwehr oder gar das Abtöten von Zecken sorgen.

Hier gibt es heutzutage eine sehr große Auswahl - von natürlichen Hausmitteln bis hin zu “Chemie”.


Welche Wahl Sie als Tierhalter treffen, hängt sowohl von Ihrem Tier, als auch von Ihrer eigenen Einstellung ab. Ist Ihre Katze Freigänger oder Ihr Hund täglich sehr aktiv auf Wiesen und im Wald unterwegs? Oder bleibt Ihr Hund bei Spaziergängen artig und entspannt auf den Wegen? Ist Ihnen ein sicherer Schutz wichtig oder bevorzugen Sie natürliche Mittel?

Je nachdem, wie intensiv Ihr Haustier der Gefahr eines Zeckenbisses ausgesetzt ist, sollten Sie sich im Zweifelsfall auch für eine medikamentöse Behandlung mit einem vom Tierarzt verordneten Schutzmittel entscheiden.

Es gibt verschiedene, sehr wirksame und gut verträgliche Präparate. Die einen wirken insektizid, also abtötend (z.B. Frontline oder Effipro), die anderen zusätzlich auch repellent, also abschreckend (z.B. Advantix).

Die Anwendung erfolgt häufig als sogenanntes “Spot-on”, bei dem eine Flüssigkeit im Nacken- und je nach Größe des Tieres auch im Rückenbereich des Tieres auf die Haut gegeben wird. Inzwischen gibt es aber auch eine orale Anwendung als Tablette, je nach Präparat mit einer Wirkdauer von 1 (Simparica oder NexGard) oder auch 3 Monaten (Bravecto).

Eine weitere, altbekannte Möglichkeit sind Halsbänder, welche ein Mikropuder auf dem Fell des Tieres verteilen, das dann abschreckend auf Zecken wirkt. Dies sollte man aber bedenken, wenn man sehr engen Kontakt zum Tier oder auch kleine Kinder in der Familie hat, da der dauerhafte Kontakt zu diesem Wirkstoff oder eine Aufnahme durch Streicheln des Haustieres für den Menschen schädlich sein kann.

In der Regel sind die meisten dieser Zeckenschutzmittel auch wirksam gegen Flöhe. Diese werden oft unterschätzt: sie übertragen zwar keine der genannten Krankheiten, können bei einem ausgeprägten Befall jedoch sehr lästig sein. Außerdem haben Flöhe im Gegensatz zu Zecken ganzjährig “Saison”.

Eine Beratung zu den verfügbaren Mitteln und auch dessen Verschreibung bzw. Abgabe kann natürlich problemlos im Hausbesuch erfolgen.

Natürlich gibt es außerdem auch frei verkäufliche Mittel, die man u.a. in Futtermittelläden oder im Zoofachhandel erhalten kann. Für eine sichere Wirkung kann hier jedoch auch keine Garantie übernommen werden.


Gibt es auch Hausmittel, die gegen Zecken wirksam sind?


Sollten Sie skeptisch gegenüber diesen Präparaten und ihrer jeweiligen Wirkweise sein, so können Sie es auch mit natürlichen Mitteln versuchen. Auch wenn ein Tier auf einen Wirkstoff sensibel reagiert oder gar deutliche Nebenwirkungen bei der Anwendung gezeigt hat, kann es Sinn machen Alternativen auszuprobieren. Zunächst ist auch hier wieder das “Absuchen” nach dem Gassigang zu nennen.

Eine weitere inzwischen durchaus sehr bekannte Methode ist die Anwendung von Kokosöl, welches aufgrund seines Geruchs wohl abschreckend auf Zecken wirkt. Diese Wirkweise wird auch anderen Ölen, wie z.B. Schwarzkümmelöl nachgesagt. Auch ätherische Öle (Zitrone, Grapefruit, Eukalyptus, Lavendel) kann man gemischt mit einem neutralen Basisöl (z.B. Paraffin- oder Sonnenblumenöl) anwenden.

Die Anwendung erfolgt, in dem Sie das Öl auf Ihren Händen verteilen und dann über das Fell des Hundes streichen. Dies sollte dann vor jedem Spaziergang erfolgen, da der Effekt nicht allzu lange vorhält. Der hier zu nennende Nachteil ist, dass Ihr Hund nach einem Gassigang dann leider womöglich “paniert” ist, da Sand natürlich gut an dem mit Öl überzogenen Fell haftet. Außerdem sollten Sie darauf achten, dass Ihr Hund nicht zu viel davon beim Putzen aufnimmt, da Öl je nach Menge natürlich auch abführend und ätherische Öle auch leicht reizend wirken können.

Wenn Sie das in Kauf nehmen, dann kann diese Methode durchaus erfolgreich zur Abwendung eines Zeckenbefalls sein, jedoch stellt auch sie keinen 100% sicheren Schutz dar.

Eine weitere wirksame Variante soll Knoblauch sein. Jedoch ist hier zu erwähnen, dass das Füttern von gewissen Mengen (ab 5g pro Kilogramm Körpergewicht) oder auch über einen längeren Zeitraum bei Ihrem Tier eine Anämie, also Blutarmut, verursachen kann. Ein nicht zu unterschätzendes Risiko!


Wie entferne ich eine Zecke beim Hund?


Sollte der von Ihnen gewählte Zeckenschutz mal versagen und trotzdem eine Zecke ihr Ziel erreicht haben, so sollten Sie diese so bald wie möglich entfernen. Viele Tierhalter sind dabei sehr unsicher, jedoch kann das Entfernen einer Zecke durchaus gut Zuhause durch Herrchen oder Frauchen erledigt werden.


Ein Instrument zur Entfernung einer Zecke sollte in jede gut ausgestattete “Hausapotheke” gehören. Die Varianz ist inzwischen groß: Zeckenkarte, Zeckenhaken, Zeckenzange oder auch -pinzette. Letztlich können sie alle hilfreich sein, solange Sie sich mit deren Anwendung vertraut gemacht haben, bevor es zum Ernstfall kommt. Was aufgrund der Beschaffenheit der Haut unserer Hunde oder Katzen jedoch durchaus helfen kann, ist, wenn Sie die Haut im Bereich des Bisses mit 2 Fingern leicht straffen, bevor Sie das Instrument mit der jeweils anderen Hand zur Entfernung der Zecke ansetzen.

Wollen Sie lieber auf die fachmännische Hilfe eines Tierarztes setzen oder ist bei dem Versuch eine Zecke zu entfernen doch etwas schief gegangen, so sollten Sie nicht lange mit einer Konsultation eines Tierarztes/einer Tierärztin warten.

Sieht die Haut im betroffenen Bereich bereits auffällig aus oder hat die Zecke bereits sehr lange gesaugt, so ist es im Zweifelsfall durchaus ratsam, die Zecke nach dem Entfernen noch für einige Tage in einem Behältnis aufzubewahren. Bei einem Verdacht könnte man sie dann in ein Labor schicken und untersuchen lassen. Dies gibt schneller und besser Aufschluss über eine mögliche Infektion, als eine Blutuntersuchung.

Machen Sie bitte nie den Fehler, reizende Stoffe, wie ein Desinfektionsmittel oder Teebaumöl, anzuwenden, solange die Zecke noch an Ihrem Tier saugt. Denn durch diesen Reiz von außen könnte die Zecke ihren Darminhalt und somit auch möglich enthaltene Erreger entleeren und auf diese Weise in Ihr Tier übertragen - Sie würden also im Zweifelsfall eine Infektion fördern, anstatt sie zu verhindern! Eine Desinfektion der Einstichstelle macht erst nach der Entfernung der Zecke Sinn. Sollte sich die Haut auch nach dem Entfernen nicht erholen oder gar eine stärkere Rötung und Schwellung auftreten, so ist eine tierärztliche Einschätzung und Versorgung dringend anzuraten.

Weitere wichtige und tiefer gehende Fachinformationen zum Thema Zecken können Sie auch auf der Homepage von ESCCAP (European Scientific Counsel Companion Animal Parasites) nachlesen. Dies ist eine in Großbritannien eingetragene Vereinigung, bestehend aus europäischen Veterinärparasitologen, die das Ziel hat, sachgerecht über Parasiten aufzuklären und Empfehlungen auszusprechen.


Haben Sie Fragen zum Thema Zecken oder sind Sie noch unsicher, welchen Schutz Sie für Ihr Tier wählen sollten?

Unsere Tierärzte beraten Sie gern zu potenten Zeckenschutzmitteln, die individuell zu Ihrem Tier und Ihren Bedürfnissen passen, damit Ihnen Zecken zukünftig keine Sorgen mehr bereiten!

Fragen Sie hier ganz einfach online einen Termin an oder rufen Sie uns an!


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